29.06.2020 - Allegras Fluch ist erhältlich

Beeinflusst die Vergangenheit die Zukunft oder die Zukunft die Vergangenheit? Über eine derartige Frage müssen sich

Allegra und Jasmin den Kopf zerbrechen, als es sie durch einen

missglückten Zauber von Allegra in die Vergangenheit verschlägt.

Jasmin ahnt von den Hintergründen der Zeitreise zunächst nichts

und versucht das Beste aus der Situation zu machen, in dem sie

sich mit Allegra zusammenrauft. Damit sie in ihre Zeit

zurückkehren können sind sie auf die Hilfe von Leuten angewiesen,

die ebenfalls untereinander so zerstritten wie sie selbst sind. 

 

 

Man muss nicht unbedingt ein Teenager  oder etwa eine Hexe

sein, um dieses Buch zu mögen. Der Spaß am Lesen reicht

vollkommen aus - und für diesen sorgt der Roman. 

Trotz der Ernsthaftigkeit des eigentlichen Themas kommt der

Humor nicht zu kurz. Der wiederum schwarz, bzw. grau ist.

Worauf ich damit anspielen will, wird beim Lesen klar...

Und so einfach ist es: 

ISBN-13: 979-8649130394 (Taschenbuch)

oder selbstverständlich bei Ihrem bevorzugtem

eBuchhändler 

 

Leseprobe:

Allegra (15) lässt nichts unversucht, um ihren Vater (49) vor einer Torheit zu bewahren. Die verzweifelte Tochter schreckt noch nicht einmal vor Hexerei zurück, damit die Verlobte (24) aus ihrem Leben verschwindet. Allerdings läuft der Zauber schief und beide verschlägt es in eine andere Zeit. Um eine Chance auf Rückkehr zu haben müssen die beiden zusammenarbeiten und sich Verbündete suchen.

Doch was tun, wenn auch die Helfer untereinander zerstritten sind?

 

3.

 

Jasmin hatte weder Lust mit Allegra ins Musical zu gehen noch sich mit ihr in einem Restaurant auszusprechen. Worüber sollten sie reden, was nicht schon klar herausgestellt war?

Für Jasmin war es unvorstellbar, dass Allegras Friedensangebot echt sein sollte. Zu offen hatte sie ihre wahren Ansichten über die Verlobung geäußert, als sie den Ring sah. Das sie kurz darauf zur Freundin verschwand, um dann mit einer mutmaßlichen Entschuldigung zurückzukehren, war mehr als verdächtig. Jasmin hatte keine andere Wahl, als sich kooperativ zu zeigen, insbesondere da Alexander den Abend gut durchorganisiert hatte. Offenbar wollte er seine beiden Frauen verwöhnen und ihnen die besten Bedingungen bieten, damit ihre Aussprache das gewünschte Ergebnis brachte.

Jasmin verstand immer noch nicht, wieso er sich so schwer damit tat, seine Tochter zu durchschauen, schließlich hatte ihn ihre Anschuldigung, nur in der Midlifecrisis zu stecken, sehr getroffen.

Dass Allegra etwas vorhatte, machte ihre Aufmachung klar. An der Garderobe an sich war nichts auszusetzen, obwohl es schien, als legte sie keinen besonderen Wert auf ihr Erscheinungsbild. Doch als Frau wusste Jasmin zu gut, was sie von ihrer Kleidung und ihrem Make-up zu halten hatte. Sie trug eine hautenge jugendliche Designerjeans, ein edles Top und Turnschuhe, um ihr Alter zu unterstreichen, dennoch war das Make-up so gewählt worden, dass sie damit genau das Gegenteil erreichte. Allegra wirkte älter. Sogar älter als Jasmin selbst.

Sie hingegen trug einen modern geschnittenen Leinenanzug, der sich durch seine elegante Musterung auszeichnete. Ihr Make-up war leicht und betonte ihre Jugendlichkeit.

„Wie ich sehe, hast du dich von Papas Geld wieder neu ausstaffiert.“

„Na na, Allegra. Sei friedlich“, mahnte der Vater.

Jasmin beobachtete ihr Gegenüber und erkannte, dass sie so tat als hätte sie keine Beleidigung ausgesprochen.

„Entschuldige, war nicht so gemeint. Ich war nur etwas überrascht.“

„Komm, lass uns fahren. Wir nehmen meinen Wagen.“ Jasmin versuchte so freundlich und unverfänglich wie möglich zu klingen.

„Sollten wir nicht lieber ein Taxi nehmen? Ich meine ja nur, falls du wieder im Restaurant die Weinkarte ausprobieren willst.“

„Na, sei brav. Keinen Zank“, mahnte Alexander flapsig.

Jasmin wusste nicht, ob ihm die beleidigende Wirkung der bissigen Bemerkung entgangen war, oder ob er sie absichtlich überhörte. Anstatt darauf einzugehen und die Tochter auf ihren Platz zu verweisen, gab er beiden einen Kuss auf die Wange und schickte sie ihrem Schicksal entgegen.

Jasmin lächelte verkrampft und fühlte sich, als würde sie zu ihrer eigenen Hinrichtung gehen und war sicher, dass Allegra ihr Bestes geben würde, um dieses Gefühl nicht zu enttäuschen.

Beide stiegen ins Auto. Sofort ging die Warnleuchte an, als Jasmin die Zündung einschaltete.

„An deiner Stelle würde ich sofort zum Tanken fahren,“ kam es mit einer Naseweisheit vom Beifahrersitz.

„Mach ich später“, murmelte Jasmin nur und fuhr los.

Ohne Umwege fuhr Jasmin zum Restaurant. Allegras Schweigen war auf einer Seite ein Segen, doch auf der anderen belastete es sie zusätzlich. 

Jasmins Unsicherheit wuchs, da Allegra heute etwas sehr Negatives ausstrahlte. Deutlich litt ihre Konzentration darunter und brachte Jasmin dazu ein Rotlicht zu überfahren. Ein Blitz erhellte die Dunkelheit.

„Ups… Das wird teuer. Papa bezahlt das sicher gern.“

„Allegra. Ich … ach, dass bringt doch nichts.“

Allegra erwiderte nichts, sondern lächelte nur undefinierbar vor sich hin.

Jasmin wusste wirklich nicht ob sie erleichtert darüber sein sollte endlich den Wagen verlassen zu können als sie das Restaurant erreichten, oder ob sie sich nun größere Sorgen machen sollte.

Mit aufreizendem Hüftschwung ließ sich Allegra zum Tisch führen und benahm sich, als sei sie auf einer geheimen Mission.

Argwöhnisch schaute Jasmin zu ihr herüber. Irgendwas stimmte hier ganz und gar nicht. Gern hätte sie nachgehakt, doch da kam auch schon der Kellner mit der Karte und erkundigte sich, ob er bereits etwas zu trinken bringen durfte.

Gern hätte sich Jasmin einen Hochprozentigen zur Nervenberuhigung bestellt, doch da sie fuhr, musste sie verzichten.

Allegra bestellte sich einen Whisky.

Ohne Protest, wiederholte der Kellner die Bestellung und hätte Allegra das gewünschte Getränk gebracht.

„Den streichen sie bitte und bringen uns stattdessen zwei Wasser“, korrigierte Jasmin und warf Allegra einen strafenden Blick zu.

„Spielverderberin“, beschwerte sich Allegra und wandte sich direkt an den Kellner. „Sie spielt sich bereits als meine Stiefmutter auf.“

„Zwei Wasser“, wiederholte der Kellner nur und verschwand sofort.

„Ich liebe dieses Restaurant. Ich bin hier praktisch aufgewachsen.“

„Das ist schön“, antwortete Jasmin desinteressiert und blickte dabei in die Speisekarte. – Es hätte ohnehin nichts gebracht, sie wegen des Whiskys auszuschimpfen. Das sie diesen nur mit dieser Absicht bestellt hatte, war Jasmin bewusst. Sie wollte Allegra keine weitere Gelegenheit bieten sich aufzuspielen.

Stattdessen keimte in ihr der Gedanke auf, Allegra auf der Rückfahrt in dem Waldstück, das sie durchqueren mussten, auszusetzen. Wurde sie schon in aller Öffentlichkeit von ihrer zukünftigen Stieftochter als böse Stiefmutter vorgeführt, dann konnte sie sich zumindest in ihrer Fantasie als solche benehmen.

„Ist schwierig, sich für etwas zu entscheiden. Nicht wahr? Die Speisen sind exklusiv. Tja, hier bekommt man halt noch Qualität, wenn man sich es leisten kann. – Aber, darüber brauchst du dir ja keine Gedanken zumachen.“

Jasmin hatte genug und ließ die Karte sinken.

„Verabschiede dich von der fixen Idee, dass ich deinen Vater nur wegen seines Geldes heirate.“

„Selbstverständlich heiratest du ihn nicht wegen des Geldes. Ihr liebt euch.“ Sie griff nach dem Wasserglas, das der Kellner soeben vor ihr abgestellt hatte und toastete Jasmin zu. „Auf die Liebe!“

Jasmin musste sich arg zusammenreißen um nicht auf die Provokation so einzugehen, wie es Allegra offenbar beabsichtigte. Stattdessen schaute sie das Mädchen herausfordernd an.

„Lass diese Kinderreien. Was willst du von mir? Du bist doch nicht mit mir hergekommen, um meine Busenfreundin zu werden.“

„Ich komme dann später wieder und nehme die Bestellung auf“, murmelte der Kellner verlegen und verschwand so schnell er konnte vom Tisch.

„Schlaues Kind“, erwiderte Allegra mit einem herablassenden Grinsen. „Ich will dir ein Geschäft vorschlagen.“

Jasmin lachte auf. „Du willst mir ein Geschäft vorschlagen?“

„Ein ganz einfacher Deal. Du lässt meinen Vater in Ruhe und ich zahle dir eine großzügige Abfindung. Es soll nicht dein Schaden sein.“

„Sag mal, bist du verrückt geworden?“

Lässig nahm Allegra noch einen Schluck aus dem Glas und griff dann in ihre Jackentasche. Langsam schob sie Jasmin ein Stück Papier herüber.

„Was soll, denn dieser Blödsinn wieder? Allegra, du machst dich lächerlich.“

„Ach ja?! Dann wirf mal einen Blick darauf.“

Jasmin hatte nun endgültig genug von diesen Albernheiten. Abwertend sah sie zu ihrer Tischnachbarin herüber, bevor sie doch den Scheck aufnahm.

„Das ist eine Beleidigung. Und das lasse ich mir nicht gefallen. Dein Vater wird davon erfahren.“ Sie nahm das Papier, steckte es in die Handtasche und legte einen Zehneuroschein für die Getränke auf den Tisch. „Steh auf, wir gehen.“

„Du kannst wohl nicht abwarten, den Scheck einzulösen?“

Jasmin schluckte die Erwiderung herunter, die sie auf der Zunge hatte. Es wäre müßig gewesen, darüber zu diskutieren. Wichtig war nur, dass sie nachhause fuhren und Alexander von dem unerhörten Benehmen seiner Tochter erfuhr.

So konnte es auf keinen Fall weitergehen, Alexander musste seine Tochter endlich maßregeln.

Die Fahrt verlief zunächst schweigend bis Allegra etwas entdeckte.

„Hey, hattest du nicht auf der Hinfahrt schon tanken wollen? Deine Warnleuchte blinkt.“

„Mach dir mal keine Sorgen, da ist noch genug Kraftstoff vorhanden.“ Still musste Jasmin ihr Recht geben. Es wäre durchaus besser gewesen den Tank aufzufüllen. Doch hatte sie keine Lust wieder umzudrehen und zurück zur letzten Tankstelle zu fahren.

Alles, was eine Verkürzung in Allegras Gegenwart bedeutete, war willkommen. Ein Umweg kam daher nicht in Frage. Außerdem glaubte sie, dass der Wagen problemlos die verbleibende Strecke schaffte.

Sie wollte nur endlich ihre Ruhe. In ein paar Minuten war sie wieder bei Alexander.

Hatte er darauf gehofft, dass dieser Abend eine Änderung brachte, dann sollte er Recht behalten. Bisher hatte Jasmin geduldig die Launen seiner Tochter ertragen, doch diesmal war sie zu weit gegangen. Alexander musste über das rüde Verhalten seiner Tochter in Kenntnis gesetzt werden. Er musste alles erfahren und auch, dass sie nicht mehr bereit war, Allegras Beleidigungen zu tolerieren. Es führte kein Weg daran vorbei, Jasmin musste ihn an seine Pflichten als Vater erinnern, insbesondere, da seine Tochter kein kleines Mädchen mehr war. Den Vorschlag, den sie ihr unterbreitet hatte, war einfach an Unverfrorenheit nicht mehr zu überbieten. Allegra hatte ihr tatsächlich eine beachtliche Summe dafür geboten, den Vater zu verlassen und aus der Gegend zu verschwinden. Liebte er sie wirklich, dann musste er Allegra in die Schranken weisen.

Jasmin wurde aus ihren Gedanken gerissen.

Der Motor geriet plötzlich ins Stottern. Er lief unruhig und die Vibrationen schüttelten beide verschreckten Insassen durch. Der Wagen blieb stehen und der Motor erstarb.

„Na, toll“, Allegra zog eine Schnute und deutete mit dem Finger auf die Tankanzeige. „Habe ich dir nicht vorhin gesagt, dass du tanken sollst? Kannst du eigentlich gar nichts ohne meinen Vater?“, keifte sie bissig.

Jasmin reichte es. In der Vergangenheit hatte sie so einiges heruntergeschluckt und gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Doch was genug war, war genug.

„Verdammt nochmal, halt die Klappe!“, schrie sie voller Inbrunst und schlug gleichzeitig mit beiden Händen aufs Lenkrad.

Unwillkürlich zuckte Allegra zusammen. Mit einer derartigen Reaktion hatte sie nicht gerechnet.

„Ich habe dich so satt. Glaubst du etwa, ich bin aus Stein? Das deine Beleidigungen und Gemeinheiten einfach an mir abprallen?“, schnaubte sie.

„Nur weiter so. Endlich zeigst du dein wahres Gesicht. Schade, dass Papa dies nicht miterlebt“, kam es überheblich.

„Ich bin nicht die Böse hier, sondern deine Mutter“, versuchte Jasmin einzulenken und erreichte damit nur das Gegenteil.

„Lass Mama aus dem Spiel, du Hexe. Du weißt doch gar nichts“, brüllte Allegra und selbst in diesen Lichtverhältnissen konnte Jasmin die Wut in ihren Augen erkennen.

„Ich verstehe, dass du Schlimmes durchgemacht hast und du deinen Vater schützen willst. Doch verließ deine Mutter nicht nur ihn, sondern auch dich. Hatte sie dich gefragt, ob du bei ihr leben möchtest?“

Jasmin hatte mittlerweile wieder ihre Stimme gesenkt und behutsam mit ihr gesprochen, doch war auch die Zeit der Diplomatie vorbei. Allegra hatte eine Aussprache gewünscht und diese bekam sie nun. 

Jasmin bemerkte, dass die Augen des Mädchens feucht schimmerten. Offenbar hatte der Kommentar gesessen.

„Hör zu, Ali“, sagte sie versöhnlich.

„So dürfen mich nur meine Freunde nennen“, erwiderte sie pampig mit versteinerter Mine. Allegra blieb bockig.

Ein eindeutiges Zeichen, dass sie nicht mehr bereit war mit Jasmin darüber zu sprechen.

Jasmin ließ es vorerst auf sich beruhen und holte stattdessen das Handy hervor. Enttäuscht musste sie feststellen, dass sie kein Signal bekam. Allegra tat es ihr nach, doch auch sie bekam kein Netz.

Jasmin stieß die Tür auf und verließ kommentarlos den Wagen.

Sie ahnte, wie sich Allegra jetzt fühlen musste. Eine kleine Abkühlung würde ihr guttun und von ihrer Selbstgefälligkeit heilen.

Jasmin musste zugeben, dass auch ihr die Situation unheimlich war. Schließlich befanden sie sich Mutterseelenallein nachts auf einer einsamen Landstraße. Obwohl Jasmin diesen Weg seit Jahren befuhr, kam ihr die Gegend mit einem Male fremd und feindselig vor. Sie bekam ein wenig Angst, fühlte sich unbehaglich und ausgeliefert.

Offenbar musste es Allegra ähnlich ergehen, denn sie öffnete die Autotür und stieg aus. Es wirkte, als wollte sie nicht alleine bleiben. Sie suchte die Nähe einer anderen Person. Selbst, wenn es Jasmin war. Mit schnellen Schritten lief Allegra auf sie zu und stellte sich neben sie.

Jasmin grinste für einen Moment siegessicher.

Schweigend wurde sie von dem Mädchen dabei beobachtet, wie sie energisch den Kofferraumdeckel öffnete und nach einer Sporttasche griff. Ohne Umschweife zog sich Jasmin auf der Straße um. Rasch streifte sie sich ihr Läufer-Outfit über. Obwohl das Material dünn war, hielt es nicht nur wärmer als der Leinenanzug, den sie vorher trug, sondern sorgte auch dafür, dass man sie im Dunklen sehen würde. Der Anzug wies neongelbe Leuchtstreifen auf. Die leuchtende Signalfarbe hob sie sofort von der Dunkelheit ab, wenn ein Lichtkegel sie traf. Die hochhackigen Schuhe tauschte sie gegen Turnschuhe aus. Bevor sie allerdings den Deckel wieder zuschlug, hielt sie Allegra eine Jacke entgegen.

„Ziehe sie an, es ist sonst zu kalt“.

„Was hast du vor?“ Es gelang Allegra nicht, ihr Unbehagen zu verbergen.

Jasmin hatte einen Plan und war fest entschlossen ihn auszuführen. Mit dem Finger deutete sie auf den dunklen Wald.

„Wir werden dort hineingehen. Nicht weit von hier, gibt es eine Waldschänke. Dort können wir telefonieren und deinen Vater informieren. In Nullkommanix sind wir wieder zu Hause.“

Ängstlich blickte Allegra in die angedeutete Richtung.

Der Wald wirkte noch unheimlicher als die Landstraße. Nebelschwaden durchzogen ihn, in der Ferne schrie eine Eule. Der Wald wirkte überhaupt nicht einladend.

„Was macht dich so sicher, dass die Schänke noch aufhat?“

„Es ist doch erst kurz nach zwanzig Uhr“, stellte Jasmin fest als sie auf ihre Armbanduhr schaute. „Komm, es ist nur ein kleiner Spaziergang.“

„Findest du es wirklich eine so gute Idee? Schließlich ist es schon dunkel und…“

„Und – was?“, fragte Jasmin zunehmend genervt. Sie hatte zwar Verständnis dafür, dass Allegra Angst hatte. Doch schließlich waren sie zusammen.

„Heute ist der Vorabend zu Halloween – oder Samhain.“

„Na und? Was hat das mit damit zu tun?“, verwundert sah Jasmin sie an.

„Ist doch ein alter Hexenfeiertag…“, stotterte Allegra.

„Du guckst zu viele Horrorfilme. Hier gibt es keine Hexen“, sagte sie entschlossen und zog sie am Ärmel in Richtung Wald. „Ich kann dich unmöglich allein im Auto zurücklassen. Das würde mir dein Vater nie verzeihen.“

Trotz Allegras weiteren Protestes blieb Jasmin unnachgiebig. Sie zerrte Allegra regelrecht hinter sich her. Erst als die Dunkelheit des Waldes sie verschluckt hatte, lies Jasmin Allegras Hand los.

Man konnte nicht so sehr von laufen reden; viel mehr stolperten sie in der Dunkelheit vor sich her. Dummerweise besaß keine von ihnen eine Taschenlampe. So gut es ging versuchten sie mit dem Smartphone den Weg vor sich zu erleuchten.

War es Jasmin noch vor ein paar Minuten wie eine gute Idee vorgekommen die Waldschänke aufzusuchen, hatte sie jetzt Zweifel an dem Vorhaben. Nicht nur waren die Lichtverhältnisse einfach zu schlecht, um sicher weiterzugehen, sie waren auch irgendwie vom Weg abgekommen. Gegenwärtig quälten sie sich mühsam durchs Unterholz.

Jasmin änderte ihren Plan. Es war zu gefährlich den Weg fortzusetzen,das Verletzungsrisiko war viel zu hoch. Es war klüger zum Auto zurückzukehren und über die befestigte Landstraße die verbleibenden Kilometer nachhause zu laufen.

Also machten sie kehrt.

Jasmin hatte geglaubt im Besitz eines ausgeprägten Orientierungssinnes zu sein, doch die Dichte des Gehölzes und die eingeschränkte Sicht machte es ihr unmöglich sich zu Recht zu finden. Das Gespräch zwischen ihnen schlief ein. Keine traute sich es offen auszusprechen: Sie hatten sich verirrt.

Zu allem Überfluss bekamen sie Immer noch kein Signal.

Kleinlaut gestand Jasmin ein, dass sie die Orientierung verloren hatte. Mittlerweile war es bereits kurz vor Mitternacht und beide waren von dem langen herumirren sehr erschöpft. Sie einigten sich darauf, einen provisorischen Unterschlupf zu bauen und bis zum Morgengrauen auszuharren. Allegras Schweigen ließ erkennen, dass sie die Aussichtslosigkeit der Situation erkannte und insgeheim froh war, nicht allein zu sein.

So gut es ging, machten sie es sich bequem und verbrachten die Nacht im Wald.

Jasmin konnte nur ahnen, wie verängstig Allegra sein musste. Beschützend legte sie den Arm um das Mädchen und gestatte ihr sich an sie anzukuscheln. Ohne Protest nahm Allegra das Angebot an. Jasmin war aus zweierlei Gründen erleichtert darüber. Zum einem würde dies ihr Verhältnis verbessern und zum anderen war sie selbst dankbar für die menschliche Nähe. Noch nie hatte sie so eine Angst gehabt wie jetzt. Ausgerechnet Allegras Gegenwart war ihr jetzt ein Trost.

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